… Constanze habe ich begleitet, ich war bei ihr zu Haus, war mit ihr an der Uni, habe sie mit einem von ihr selbstgenähten langen Unterkleid inszeniert, ich war mit beim Stoffe kaufen und schließlich fuhren wir zusammen nach Kassel.
Ausgangspunkt für mich war das Experimentieren mit Constanze, um sich dem Thema Porträt zu nähern. Immer sollte dabei ihre Persönlichkeit im Mittelpunkt stehen. Als einzige weitere Person kam nur ihre beste Freundin Mirja dazu; weitere Nebenpersonen wollte ich nicht auftreten lassen.
Ich habe sie dokumentarisch begleitet und porträtiert, beobachtet und inszeniert.
Die verschiedenen Porträts von Constanze und ihrer Freundin haben viele verschiedene Facetten.
Ein wichtiger Aspekt in meiner Arbeit ist der Umgang mit dem Porträt im Raum sowie die Spannung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit.
Die Porträtierten stehen stets in einem bedeutsamen Zusammenhang zu ihrer Umgebung. Selten wird der Raum nur angedeutet oder in Teilaspekten behandelt. So sind die Protagonistinnen zumeist von viel und einem klar zuzuordnenden Raum umgeben. Im Hintergrund „passiert“ etwas, dieser ist nicht nur Beiwerk.
Teils sind alltagsnahe Szenen festgehalten, die jeder identifizieren kann: Constanze, festgehalten in örtlich leicht zuzuordnenden Räumlichkeiten, schaut mit wachem, selbstbewusstem Blick direkt in die Kamera. Zudem sind situative, von den Porträtierten unbemerkt anmutende, Momente entstanden: Constanze, suchend, vor einer Reihe von Stoffbahnen oder beide im Doppelporträt, laufend und Händchenhaltend beim Erreichen des Festivalgeländes. Andererseits kommen teils sonderbare Momente – Constanze, die sich in für den Betrachter eher undefinierbaren Räumen befindet oder fragend, direkt in die Kamera schaut- und die absurden Kostümierungen hinzu und fordern den Betrachter.
Man findet zudem private, intime Momente – wie jener an der Kreuzung, als die beiden fest umschlungen stehen, Constanze abgewandt, ihr Gesicht verdeckend – plötzlich im öffentlichen und belebten Raum. Fragen nach dem „Wann (oder mit wem) – und Wo – fühlt man sich eigentlich privat?“ tauchen auf.
Dokumentation und Inszenierung sind nicht mehr konkret zuzuordnen und es stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Realität und Illusion.
Trotz einigen unreal wirkenden Fotografien, die nichts Alltägliches, vielleicht sogar Absurdes, zeigen, ist ein authentisches, nahes Porträt, welches von einem Mädchen und ihrem Charakter erzählt, entstanden. Die Blicke von Constanze und ihrer Freundin wirken stets offen und ehrlich. Nähe, sowie vielschichtiges Erzählen und Erfahren waren mir wichtig.

 

„… I accompanied Constanze. I visited her at home, I was at the university with her, I staged her with her self-made long undergarment, we bought fabrics and finally we drove to Kassel together…“
The engagement with the subject “portrait” built the basis of my work, focusing solely on the personality of one person – Constanze. With her friend Mirja I included one closely-related person,; I didn’t want further persons to appear.
I accompanied Constanze in a documentary way and portrayed her as well, I observed and I directed.
The different portraits of Constanze and her friend have various facets.
The space and its tension between privacy and public present an important aspect of the portrait’s approach. The two portrayed girls are always closely related to their environment. The protagonists are mostly encompassed by a larger surrounding or a clearly associated space.
Partly everyday scenes are captured which are then being contrasted by unusual moments appearing on the photographs. These might seem new or even unfamiliar to the viewer. These moments challenge the viewer and give Constanze a distinct, perceivable and in the photographs readable identity and personality.
Her look, which sometimes seems to be self-confident and open-minded, but otherwhile also questioning and odd underlines the complex perception of her character.
Furthermore one can find private, intimate moments – like the one on the crossroads, when the two are standing tightly embraced, Constanze turning away, her face hidden – suddenly in a public and lively place.
Documentation and staging cannot be precisely distinguished anymore and the question concerning the proportion of reality and illusion appears.
Despite some unreal appearing photographs, which do not show something common, maybe even absurd, I created an authentic, close portrait of a young woman and her character. The looks of both protagonists steadily appear frank and honest. Closeness as well as many-faceted telling and experiencing were important to me.

 
 

2013